Fest der hl. Lanze


Die auf dieser CD vorgestellten Gesänge aus dem Offizium und dem Proprium vom »Fest der heiligen Lanze und der Nägel vom Kreuz des Herrn«, das heute noch in Bamberg begangen wird, sind der Hymnus »Pange lingua gloriosae lanceae praeconium« und die Sequenz »Hodierne festum lucis«. Die hl. Lanze, Passionsreliquie und Reichsinsignie, gehört zu den Reichskleinodien der deutschen Könige und der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und wird im Reichskreuz aufbewahrt. Sie wird in der Überlieferung zum einen dem später als Longinus bezeichneten Soldaten zugeordnet, der gemäß der Hl. Schrift (Joh 19, 34) nach dem Kreuzestod Jesu dessen Seite mit einer Lanze durchstach. Im 10. Jh. erfuhr sie aber auch eine Zuordnung zum hl. Mauritius, dem Soldaten und Anführer der »Thebäischen Legion«, der am Ende des 3. Jhs. im Wallis mit vielen Gefährten als Märtyrer starb. Auf Bitte Kaiser Karls IV. wurde das »Fest der heiligen Lanze und der Nägel vom Kreuz des Herrn« durch Papst Innozenz VI. 1354 in Deutschland und Böhmen eingeführt und am Freitag nach der Osteroktav gefeiert, besonders in Aachen und Nürnberg. Später entwickelte sich aus diesem Fest die Herz Jesu-Verehrung. Der Hymnus ist eine Umdichtung des Kreuzhymnus von Venantius Fortunatus bzw. des Hymnus aus dem Fronleichnamsoffizium des Thomas von Aquin. Die Sequenz zeigt enge Verwandtschaft zu einer Marien-Sequenz des 12. Jhs.

Text: © Dr. Michael Tunger 2016
Photo: Wien, Kunsthistorisches Museum, Weltliche Schatzkammer – HEILIGE LANZE (Photo: Wikimedia Commons)